Forschung
Sprache und soziale Zugehörigkeit
Wie werden Erinnerungen weitergegeben? Welche Rolle spielen dabei die Sprachen einer Familie, ihre Namen und die Dinge, die sie bewahrt?
Als promovierte Linguistin beschäftige ich mich mit Mehrsprachigkeit, Familiensprachenpolitik und kultureller Zugehörigkeit. Meine wissenschaftliche und künstlerische Arbeit verbindet die Frage, was zwischen Generationen weitergegeben wird – und was sich dieser Weitergabe entzieht.
Language and Social Belonging
In meinem Projekt untersuche ich das Verhältnis von Sprache, Herkunft und überlieferten Gegenständen. Kunstwerke und Dinge des familiären Alltags können Spuren früherer Besitzer bewahren: in Namen, Widmungen, rückseitigen Inschriften und Erzählungen, aber auch in Inventaren und Katalogbeschreibungen.
Besonders interessiert mich der Übergang vom familiären Zusammenhang in eine andere Sammlung. Welche Erinnerungen bleiben mit einem Werk verbunden? Wie verändert sich die Erzählung seiner Herkunft, wenn sich sein Umfeld und die Sprache seiner Beschreibung ändern?
Familienzeichen und archivalische Spuren

Familiennamen, bildliche Zeichen und alte Schriftzeugnisse bilden einen Ausgangspunkt meiner Recherche.
Ich lese diese Materialien im Zusammenhang mit familiären Erzählungen und den Wegen einzelner Gegenstände. Dabei interessieren mich auch Lücken und Verschiebungen: was benannt wird, was nur angedeutet bleibt und was später anders gelesen wird.


Sprache und die Zugänglichkeit von Erinnerung
Gegenstände und Schriftzeugnisse können erhalten bleiben, während die Sprache einer Familie nicht an die nächste Generation weitergegeben wird. Namen, Inschriften oder überlieferte Wendungen verlieren dann mitunter ihre Vertrautheit. Mich interessiert, welche Erinnerungen dadurch schwerer zugänglich werden und was sich aus den verbliebenen Spuren neu erschließen lässt.
Erinnerung zwischen Generationen
Parallel entsteht unter dem Arbeitstitel Was bleibt eine künstlerische Auseinandersetzung mit überlieferten Dingen und archivalischen Fragmenten. Malerei und Recherche begegnen sich in den Leerstellen: dort, wo etwas erhalten ist, seine Geschichte aber nur noch teilweise erzählt werden kann.